Auf dem Küchentisch liegt ein Zettel, und der Zettel macht Angst. Nächsten Samstag wird der Vierzigste gefeiert, 30 Zusagen sind da, und unter der Überschrift Getränke stehen bislang drei Zeilen: Wasser (viel?), Cola (2 Flaschen? 10?), Sekt zum Anstoßen. Dahinter Fragezeichen, durchgestrichene Zahlen, ein zaghaftes vielleicht reicht auch weniger. Wer schon einmal eine private Feier ausgerichtet hat, kennt diesen Moment genau: Essen lässt sich planen, Musik lässt sich planen, aber wie viel 30 Menschen an einem Abend trinken, bleibt gefühlt ein Glücksspiel. Dabei ist es in Wahrheit ziemlich präzise Mathematik.
Die Grundformel ist seit Generationen von Gastgebern erprobt: Pro Gast und Stunde sollte man mit rund einem Viertelliter bis einem Drittelliter Getränk rechnen, wobei die erste Stunde deutlich mehr verlangt. Wer ankommt, hat Durst, ist aufgeregt und hält gerne ein Glas in der Hand, also plant man für den Anfang lieber ein halbes Getränk extra pro Person ein. Bei einer Feier von 19 Uhr bis weit nach Mitternacht, also gut sechs Stunden, landet man damit bei anderthalb bis zwei Litern pro Gast. Für 30 Gäste ergibt das grob 50 bis 60 Liter insgesamt, eine Zahl, die auf dem Zettel erst einmal erschreckend wirkt und beim Einkauf sehr heilsam ist.
Die zweite Frage ist die nach der Verteilung, und hier machen unerfahrene Gastgeber den klassischen Fehler: Sie unterschätzen das Wasser. Ungefähr die Hälfte dessen, was auf einer Feier getrunken wird, ist erfahrungsgemäß schlicht Mineralwasser, gerade wenn getanzt wird oder der Sommerabend warm ist. Für die Beispielfeier heißt das 25 bis 30 Liter, aufgeteilt in etwa zwei Drittel prickelnd und ein Drittel still, denn die stillen Trinker sind mehr geworden und beschweren sich nie, während Sprudelfans ohne Kohlensäure schnell unglücklich sind.
Die andere Hälfte verteilt sich auf die bunte Fraktion. Bewährt hat sich als Faustregel ein Verhältnis von etwa zwei Teilen Wasser zu einem Teil Limonade zu einem Teil Saft oder Saftschorle. Konkret: rund zehn Liter Limonade, davon Cola als sichere Bank etwa die Hälfte, dazu Orangenlimo und Zitronenlimo, und acht bis zehn Liter Apfelsaft für Schorlen. Wer eine Schorlenstation aufbaut, ein paar Karaffen Saft neben Sprudelflaschen und Gläsern, spart übrigens doppelt: Die Gäste mischen sich ihr Verhältnis selbst, und aus einem Liter Saft werden zweieinhalb Liter Getränk. Kaffee für die Nachtschicht und Sekt zum Anstoßen, ein Glas pro Gast plus eine Reserveflasche, kommen als eigene Posten dazu.
Korrigiert wird diese Basisrechnung nach drei Faktoren. Erstens das Wetter: Eine Gartenparty im Juli braucht gut die Hälfte mehr, vor allem beim Wasser, während die Feier im November eher beim Warmen zulangt. Zweitens die Gästestruktur: Kinder trinken öfter, aber kleinere Portionen, hier rechnet man am einfachsten einen Liter pro Kind und deckt ihn fast komplett mit Wasser, Saftschorle und einer Limo-Ration ab. Drittens die Autofahrer, und deren Anteil wächst seit Jahren: Wer 30 Erwachsene einlädt, hat heute oft zehn oder mehr Gäste, die den ganzen Abend alkoholfrei bleiben, und die greifen nicht nur zum Wasserglas, sondern erwarten zu Recht eine echte Auswahl. Alkoholfreie Cocktails, gute Limonaden und kalter Früchtetee sind längst kein Notprogramm mehr, sondern gehören zum Standard einer gut geplanten Feier.
Steht die Liste, kommt die Beschaffung, und die teilen sich viele Gastgeber inzwischen klug auf. Das Schwere und Planbare, also Wasserkisten, Limonaden und Säfte, wird eine Woche vorher besorgt oder gleich nach Hause bestellt, wer sich einen Überblick über gängige Erfrischungsgetränke verschaffen will, wird zum Beispiel hier fündig und kann in Ruhe zusammenstellen, statt am Freitagabend Kisten durch den Supermarkt zu wuchten. Das Frische und Kurzfristige, Eis, Zitronen, Minze für die Karaffen, holt man dann entspannt am Tag der Feier im Geschäft um die Ecke. Diese Zweiteilung nimmt der Partywoche erstaunlich viel Stress, weil das Volumenproblem früh erledigt ist und nur noch Kleinkram übrig bleibt.
Wer bei der Planung auf Nummer sicher gehen will, fragt schlicht nach. In die Einladung gehört neben dem Datum eine kurze Rückfrage: Kommen Kinder mit, wie viele fahren mit dem Auto, gibt es besondere Wünsche? Drei Antworten, die die Getränkeliste präziser machen als jede Faustregel. Erfahrene Gastgeber führen sogar eine kleine Partybilanz: Nach jeder Feier notieren sie, was übrig blieb und was zuerst leer war. Nach zwei, drei Festen entsteht daraus eine Hausformel, die genauer ist als jeder Ratgeber, weil sie den eigenen Freundeskreis abbildet, und der trinkt eben mehr Apfelschorle oder mehr Cola, als der Durchschnitt es tut.
Womit wir beim heimlichen Hauptdarsteller jeder Feier wären: der Kühlung. Die Rechnung ist ernüchternd. In einen normalen Kühlschrank passen neben dem Partyessen vielleicht 15 bis 20 Flaschen, gebraucht werden aber 50 Liter in kalt. Die Lösung kennt jeder, der schon einmal eine gelungene Hausparty erlebt hat: die Badewanne. Mit einem Stöpsel, zwei bis drei Säcken Crushed Ice oder Eiswürfeln aus dem Supermarkt, etwa fünf bis acht Euro pro großem Sack, und kaltem Wasser wird sie zum größten Getränkekühler der Wohnung. Wichtig ist die Reihenfolge: Flaschen zuerst, dann Eis, dann Wasser, denn Eiswasser kühlt viel schneller als Eis allein. Wer keine Wanne opfern will, nimmt Mörtelkübel aus dem Baumarkt für ein paar Euro, die auf dem Balkon oder im Garten sogar dekorativ aussehen, mit einem Geschirrtuch darüber gegen die Sonne.
Auch das Timing der Kühlung will bedacht sein. Getränke brauchen im Kühlschrank mehrere Stunden, im Eiswasser etwa 20 bis 30 Minuten bis zur Trinktemperatur. Also wandert die erste Fuhre am Vormittag in den Kühlschrank, die Wanne wird eine Stunde vor den Gästen befüllt, und der Rest lagert kühl und dunkel im Keller oder Schlafzimmer als Nachschub. Ein Erwachsener oder ein motivierter Teenager bekommt den Job des Nachschubministers: alle Stunde prüfen, was zur Neige geht, und rechtzeitig nachlegen. Nichts bremst eine Party zuverlässiger als der Satz, die Cola sei leider noch warm.
Unterschätzt wird auch die Frage, woraus getrunken wird. Für 30 Gäste reichen die eigenen Gläser selten, und Erfahrungswerte sagen: pro Gast mindestens zwei, besser drei Gläser einplanen, weil abgestellte Gläser auf Partys ein Eigenleben führen. Wer nicht spülen will, greift zu stabilen Mehrwegbechern, die es im Zehnerpack für wenige Euro gibt und die auch die nächste Feier überleben. Ein Glasmarkierer, ein wasserfester Stift oder schlicht bunte Wäscheklammern am Stiel verhindern das große Verwechseln. Und die Getränkestation gehört nicht in die Küche, wo sich sonst der ganze Abend staut, sondern an einen eigenen Tisch im Flur, auf der Terrasse oder im Wohnzimmer, mit Flaschenöffner an der Schnur, damit er nicht um 22 Uhr spurlos verschwindet.
Für die späten Stunden lohnt ein kleiner Themenwechsel im Angebot. Ab Mitternacht sinkt der Durst auf Süßes, dafür steigt die Nachfrage nach Kaffee, Tee und stillem Wasser, das viele Gäste bewusst als letztes Glas vor dem Heimweg trinken. Eine Thermoskanne Kaffee, ein Wasserkocher mit ein paar Teebeuteln und zwei große Karaffen Leitungswasser mit Zitronenscheiben kosten fast nichts, wirken aber wie eine Geste der Fürsorge, an die sich Gäste erinnern. Auf die Gesamtmenge schlagen diese Posten kaum auf, in der Planung tauchen sie trotzdem als eigene Zeile auf, damit am Samstagabend nicht ausgerechnet der Kaffee fehlt.
Bleibt die Angst vor den Resten, die viele Gastgeber zum Kleinrechnen verleitet. Dabei ist sie beim Thema Getränke fast unbegründet. Verschlossene Flaschen und ungeöffnete Kisten halten sich Monate, Wasser und Limonade werden in jedem Haushalt ohnehin getrunken, und viele Getränkemärkte nehmen ungeöffnete Kisten auf Kommission zurück, wenn man vorher danach fragt. Die klügere Strategie ist deshalb das bewusste Überkaufen: 20 Prozent auf die errechnete Menge draufschlagen und die Gewissheit genießen, dass nichts ausgeht. Umgekehrt gilt bei Angebrochenem Sparsamkeit im Anbruch, also immer erst eine Flasche pro Sorte öffnen, denn zehn halbvolle Colaflaschen am Morgen danach sind der einzige echte Getränkeverlust einer Feier.
Zum Schluss die Kostenfrage, die auf dem Zettel meist ganz unten steht und angenehm ausfällt. Für die alkoholfreie Versorgung von 30 Gästen über einen langen Abend, also Wasser, Limonaden, Säfte und Eis, muss man je nach Marke mit 80 bis 120 Euro rechnen, das sind rund drei bis vier Euro pro Person. Gemessen daran, dass ein einziger Restaurantbesuch pro Kopf ein Vielfaches kostet, ist das der günstigste Teil der ganzen Feier, und zugleich der, an dem Sparen sich am schnellsten rächt.
Der Zettel auf dem Küchentisch sieht eine Woche später übrigens ganz anders aus. Statt Fragezeichen stehen dort Zahlen: 30 Liter Wasser, zwölf Liter Limonade, neun Liter Saft, drei Säcke Eis, eine Wanne, ein Nachschubminister. Die Kisten sind bestellt, der Kühlplan hängt am Kühlschrank, und die Gastgeberin kann sich um das kümmern, worum es eigentlich geht: die Playlist, das Buffet und die Frage, ob man mit 40 noch bis vier Uhr tanzt. Die Erfahrung sagt: Mit genug kalten Getränken auf jeden Fall.

